Luftschwirrende Klänge: „Himmel und Erde“ – ein Konzert in der Kunst-Station St. Peter Köln Kurze, fast kreischende helle spaltartige Klänge, abgehackt, plötzlich wieder kehrend, sich wiederholend, minimal erweitert, durch punktartige dunklere Cluster ergänzt, vor einem schwirrenden Orgel-Luft-Bass im Dunkel das Helle kontrastierend, dichtere Toncluster bilden harte Gegensätze, graben sich eindrucksvoll ins Ohr. Christina C. Messners Stück „erdwärts – himmelan. Vom Schweben und Sinken“ für Orgel wurde von Dominik Susteck eindrucksvoll uraufgeführt. Fast ließen die „erdwärts“ gedachten Tontrauben bedrohliche Szenarien assoziieren, sie lösten sich auf in vermeintliche tonale ausklingende Phasen, die aber, kaum dass sie gehört wurden, wieder durch Töne in bedrängender hoher Tonhöhe zerstört wurden. Eine Beruhigung fand nur im Augenblick statt, das Schweben der „himmelan“ führenden Töne war kurz, punktuell. Susteck nutzte das Klangspektrum der Orgel-Komposition phantasiereich aus, keinen Augenblick ließ die Spannung nach. (nmz 16.04.2011 - von Ute Büchter-Römer)

„Komponistinnen im Berliner Konzerthaus" ...Eine vom Landesmusikrat Berlin, vom deutschen Tonkünstlerverband und vom Konzerthaus Berlin unterstützte Veranstaltung (der GedoK) die durch eine internationale Ausschreibung den Zweck hatte, Musikerinnen und Komponistinnen gleichermaßen zu fördern... Kassandra – neun Fragmente für Klavier Solo hieß die Komposition von Christina Cordelia Messner, die in das von Elnara Ismailova hervorragend gespielte Stück in neun Teilen auch optische Effekte eingebaut hatte... Mit dieser Uraufführung wurde der Bereich der Verbindung von Musik, Sprache und Bild als Kunstform angenehm berührt... (nmz 3/06)

Raumbezogen, intensiv: vier Uraufführungen in Köln setzen sich mit dem „Stabat Mater“ auseinander Stabat Mater Dolorosa – „es stand die Mutter schmerzerfüllt“: diese uralte Klage der Mutter über den Tod des Sohnes ist im christlichen Verständnis mehr als die archaische Trauer um den toten Sohn; sie ist Symbol und Zeichen des Todes und Symbol der Erlösung. In der Kunst-Station Sankt Peter in Köln wurden am Reformationstag Auseinandersetzungen mit dieser Klage von Komponistinnen verschiedener Generationen uraufgeführt. Initiiert hatte dieses Konzert die Sopranistin Irene Kurka, die auch die Sopranpartien sang. Die Kompositionen waren alle für die Besetzung Sopran und Violoncello komponiert, eine sparsame Wahl, die aber den Komponistinnen eine besondere Intensivierung des Ausdrucks eben durch die Eingrenzung der Ausführenden gestattete. Wie aus dem Nichts entstand das Stück „St-mt“ für Sopran und Violoncello von Makiko Nishikaze (*1968), kaum hörbare Cellotöne, Pianissimo-Stimmklänge, sanft, tonschön, entwickelten sich über dieser leisen Celloaktion. Die Sprache war reduziert auf ihre einzelnen Laute, erkennbar waren einzelne Vokale und Konsonanten, Atemgeräusch, Sprachlosigkeit des Schmerzes. Dieser Stille stand die dramatisch einsetzende Klage des „crux“ von Christina Messner (*1969) entgegen. Das Herausschreien des Schmerzes stand am Beginn des Stückes, die Verteilung der beiden Künstler im Raum, zunächst stand die Sängerin hinter dem Cellisten, dann zu seiner rechten und danach zu seiner linken Seite, unterstützt durch die Bewegung der Arme, entwickelte ein Bild des Kreuzes: „Crux“ – als Schmerz, als Symbol des Leidens Christi und der Mater Dolorosa, Symbol aber auch der Erlösung. Das „Stabat Mater“ von Eva-Maria Houben (*1955) entstand aus der Stille, kaum hörbar strich der Cellist das Holz des Instrumentes, kaum hörbar setzte die Singstimme ein, diesmal standen sich Cello und Sopran im Raum gegenüber, sodass ein Raumklang der Stille, ein kaum zu bewältigender, unausgesprochener, immer gültiger Ausdrucks des Leidens entstand. Ergänzt wurde dieser Klangeindruck von einem elektronisch zugespielten Klangband, das die Pianissimo-Passagen, die ins Nichts zu verschwinden drohten, kaum merklich miteinander verband. Die Komposition „hin und weg“ von Brigitta Muntendorf (*1982) setzt sich mit der Absurdität der Praxis italienischer Flagellanten auseinander, die das „Stabat Mater“ zu ihrer „Hymne“ erklärten und sich selbst zum Gesang des Stückes auspeitschten, Zeichen des existentiellen Leids des Menschen und des Christentums. Gesprochene Sprache, stimmlose Aktionen, gesungene Töne, Cellopizzicati und Klangfächen wurden unterbrochen und eingeleitet durch die Peitsche, intensive Ergänzung und Zeichen jener absurden Praxis. Irene Kurka und Burkart Zeller am Violoncello hielten über die vier Stücke hinweg eine atemberaubende Spannung aufrecht. Der Ausdruck des unaussprechlichen Leidens und Leids durchdrang alle vier Stücke und teilte sich mit, intensiv und klar gesungen und ebenso intensiv spannungsvoll mitgestaltet durch den Cellisten. Langanhaltender Beifall für die ausführenden Künstler und die vier anwesenden Komponistinnen. (nmz 02.11.2010 - Von Ute Büchter-Römer)

Dem Leben entrissen Das exzellente Programm der Städtischen Konzerte begann am Sonntag mit einem Konzert des Kölner Ensembles in der kleinen Kirche an der Böllenstege. Das erfreulich zahlreiche Publikum zeigte sich am Ende des Konzertes über alle Maßen begeistert. Und das nur allzu berechtigt. Sechs fantastische Musikerinnen (Irene Kurka, Dorrit Bauerecker, Christina C. Messner, Inka Ehlert, Lucia Mense und Anette Maye) spielten sich in kleinen Szenen durch Lebenund Werk der Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir. Die wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Christina C. Messner hatte Textfragmente zu eindringlichen Musikminiaturen verarbeitet und mit zeitgenössischen Chansons, Jazzstücken und Kunstliedern angereichert. Dass sie zugleich als Komponistin, Violinistin und Jazz- Röhre agierte, war schon erstaunlich genug. Mit Irene Kurkas vielseitiger Sopranstimme und kleinen mimisch -schauspielerischen Einlagen (dramaturgische Beratung: Gisela Marx) entstand so etwas wie ein Gesamtkunstwerk mit ganz eigenem Charme. Manchmal bleibt von einem Leben eben mehr als das Gerücht, es habe stattgefunden. Man kann es anzapfen, ihm seine Besonderheiten entreißen. Simone de Beauvoir hat dies in einigen ihrer autobiographischen Schriften getan, und Christina C. Messner hat eine Art akustisches Panoptikum daraus destilliert. Transparent und konzentriert. Dabei setzte sie die ganze Bandbreite neuerer kompositionstechnischer Ausdrucksmöglichkeiten ein, jedoch derart transparent und konzentriert, dass auch Zuhörer, denen Neue Musik eher fremd ist, sich mühelos einfinden konnten. Tröpfeln und Rauschen, Hauchen und Klappern, Flüstern und Schreien - alles stand im Dienst der Verdeutlichung. Die aparte Besetzung (Akkordeon, Violine, Cello, Blockflöte und Klarinette) bewährte sich übrigens auch bestens bei den Jazzeinlagen. Hilfreich war überdies, die Szenen stets auf einen thematischen Schwerpunkt zu begrenzen und diesen dann mit sparsamen Requisiten auszuleuchten. Ob einem Simone de Beauvoir nun liegt oder nicht - aufregend und unterhaltsam war dieses Konzert allemal.
(9. September 2008 NKl04 Andreas Daams Kleve)

„Fenster zur Poesie geöffnet" Christina C. Messner begeistert Klosterpublikum: Dem Schwebezustand zwischen Traum und Wirklichkeit, dem ewigen Zyklus von Entstehen und Vergehen spürt die Künstlerin Christina C. Messner in ihrer Collage nach... Messner zeigt viele Gesichter...Mit zumeist selbst vertonten Gedichten öffnet sie Fenster zur Poesie und bleibt dabei am Pulsschlag des Elementaren. Grenzen zwischen Musik, Malereiund Lyrik verschwimmen. Im Kloster faszinierte sie ihr Publikum, das der vielseitigen Künstlerin zu Füßen lag. Mit Mitteln des experimentellen Theaters, verblüffenden Effekten... schaffen die Musikerinnen eine dichte Atmosphäre... (Angela Baum, Schwarzwälder Bote)

Collagen: ... gerade diese faszinierende Vielseitigkeit von Christina C. Messner... löste bei den dicht gedrängt sitzenden Zuhörern im Saal des Barockschlosses sehr schnell ein hohes Maß an Begeisterung aus. Nicht nur dass sie ungemein virtuos die Violine zu spielen versteht, ist sie auch eine ausdrucksstarke Sängerin. Dazu vermochte sie ihrer Stimme einen warmen bisweilen tiefen oder sogar rauchigen Klang zu verleihen, was die Authentizität der Darbietung noch überzeugender und eindringlicher werden ließ... Wenn sie Texte rezitierte, so artikulierte Christina C. Messner diese überaus lebendig und voller tief empfundener Emotionalität. (Heilbronner Stimme)